Das wichtigste Motto der Schiedsfrauen und Schiedsmänner lautet - "Schlichten statt richten"
Startseite

Schiedsamt der Stadt Pfungstadt



Das Ehrenamt


Das Amt der Schiedsmänner und Schiedsfrauen ist ein Ehrenamt.

Das heißt, die Schiedspersonen stellen der Gesellschaft ihre Freizeit für die Führung des Amtes praktisch unentgeltlich zur Verfügung, so dass das Schlichtungsverfahren vor dem Schiedsamt für die Bürgerin und den Bür­ger äußerst kostengünstig durchgeführt wer­den kann.


Voraussetzungen


In den Bundesländern, in denen es Schiedsämter bzw. Schieds­stellen gibt, kann grundsätzlich jede Bürgerin und jeder Bürger ab dem 25. Lebensjahr (gül­tig in Brandenburg, Mecklenburg-Vor­pom­mern, Saarland, Sachsen-An­halt, Thüringen) bzw. ab dem 30. Le­bens­jahr (gültig in Berlin, Hessen, Nie­der­sach­sen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Schles­wig-Hol­stein) bis zum noch nicht er­reich­ten 71. Lebensjahr (gültig in Berlin, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Thüringen) bzw. noch nicht erreichten 76. Lebensjahr (gültig in Hessen) zur Schiedsperson gewählt wer­den. In den übrigen Schiedsamtsländern gibt es keine Al­ters­höchts­be­grenzung.

Darüber hinaus muss die Schiedsperson nach ihrer Persönlichkeit und ihren Fähigkeiten für das Amt geeignet sein. Es dürfen keine Umstände in der Person liegen, die sie zur Führung dieses Amtes ungeeignet machen. In einzelnen Ländern gibt es noch weitere Eignungskriterien.

Wahl der Schiedsperson


Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Pfungstadt wählt für jeden Schiedsamtsbezirk (Pfungstadt-Nord und Pfungstadt-Süd) je eine Schieds­person und die Stellvertretung für eine Amtsdauer von fünf Jahren.


Die Aufsicht über das Schiedsamt


Die Leitung des zuständigen Amtsgerichts (bei uns ist das Darmstadt) be­stätigt, vereidigt oder verpflichtet die Schiedsperson und übt auch die Fach­aufsicht - teils auch die Dienstaufsicht ins­ge­samt - aus.

Schiedspersonen unterliegen somit einer ständigen Quali­täts­kon­trol­le, die ihre Arbeit fortlaufend optimiert.


Interessiert?


Wenn Sie interessiert sind dieses Ehrenamt auszuführen, melden Sie sich bitte formlos bei einer der Schiedspersonen unserer Stadt.


Zur Geschichte des Schiedsamtes

„Die Institution der Schiedsfrauen und Schiedsmänner ist eine historisch gewachsene ehrenamtliche und vor allem bürgernahe Einrichtung zur Erhaltung und Wahrung des Rechtsfriedens zwi­schen streitigen Parteien, ihre friedenstiftende Tätigkeit hat sich in unserem demokratisch und rechtsstaatlich orientierten Ge­mein­we­sen bewährt.“

Die Einrichtung des Schiedsamtes gibt es seit über 180 Jahren.

Schon in den Anfängen sollte der Schiedsmann kein Richter son­dern eine ehrenamtliche Person ohne eine besondere juristische Aus­bil­dung sein. Zielvorstellung war ein von den Parteien er­ar­bei­te­ter Vergleich.

Der Anstoß für die Einrichtung des Instituts des Schiedsamtes erfolgte 1808 in Preußen. Dem König wurde aus dem Volk ein An­trag überreicht, vorinstanzliche Friedensrichter einzusetzen, um die Gerichte zu entlasten und eine volksnahe Institution zu schaffen.



Einige Jahre wurden die Vorschläge überarbeitet. Schließlich wurde 1827 in Preußen die erste Schiedsmannsordnung für zivilrechtliche Streitigkeiten erlassen. 1851 wurde die Zuständigkeit auf einige straf­rechtliche Delikte ausgeweitet. Den heutigen Katalog von De­lik­ten, bei denen das Schiedsverfahren zwingendes Vorverfahren vor einer Privatklage ist, gibt es seit 1924 (heute § 380 StPO). 1926 durften erstmals Frauen Schiedspersonen werden.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden in einzelnen Bundesländern wieder Schiedsamtsordnungen erlassen.

Seit 2000 haben die Länder die Möglichkeit auch in zivilrechtlichen Streitigkeiten ein Schiedsverfahren als zwingende Vorinstanz vor­zu­schrei­ben (§ 15a EGZPO).